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Gesunde Ernährung

Tipps für den Lebensmittel-Einkauf

Die Lebensmittelindustrie lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen, um ihre billigen Fertiglebensmittel an die Frau oder den Mann zu bringen. Ob Mogelverpackungen, geschönte Nährwertangaben, unrealistische Gesundheitsversprechen oder dreister Etikettenschwindel –Verbrauchern wird es beim wöchentlichen Einkauf nicht gerade leicht gemacht.

Der einfachste Weg ist natürlich, mit frischen, unverarbeiteten Lebensmitteln selbst zu kochen oder zu backen. Doch nicht immer wollen wir auf unsere Lieblingsleckereien verzichten oder greifen Mangels Zeit doch mal zur Tütensuppe. Damit Ihr beim nächsten Einkauf den Überblick behaltet, informieren wir euch in diesem Beitrag über einige der beliebten Tricks der Lebensmittelindustrie.

Clean Labels – saubere Etiketten

Mehr als 323 Zusatzstoffe kommen in der Lebensmittelindustrie zum Einsatz: Farbstoffe, Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker sind nur einige von ihnen. Vielen Verbrauchern bereitet die riesige Menge an chemischen Zusätzen in ihrer Nahrung Unbehagen. Findig wie die Lebensmittelindustrie ist, macht sie aus der Not eine Tugend und bewirbt viele ihrer Fertigprodukte mit Beschreibungen wie „ohne Zusatzstoffe“, „ohne Zusatz von Geschmacksverstärkern“ oder „frei von Konservierungsstoffen“

Solche Clean Labels (saubere Etiketten) erwecken den Anschein, dass die Produkte „naturbelassen“ und „gesund“ seien. Der deklarierte Verzicht auf künstliche Aromen, Geschmacksverstärker sowie auf Farb- und Konservierungsstoffe bedeutet jedoch nicht, dass die Lebensmittelindustrie auf alternative Wirkstoffe verzichtet.

Hefeextrakt statt Natriumglutamat

Wie eine Untersuchung der Verbraucherzentralen ergab, enthalten Fertiglebensmittel mit Clean Labels nicht weniger Zusatzstoffe als herkömmliche Produkte. Es kommen lediglich Ersatzstoffe zum Einsatz, die eine ähnliche Wirkung haben, aber nicht als Zusatzstoffe gekennzeichnet werden müssen. Der Geschmacksverstärker Natriumglutamat beispielsweise wurde von vielen Herstellern durch Hefeextrakt ersetzt. Dieses enthält zwar auch Glutamat, muss aber trotz seiner geschmacksverstärkenden Wirkung nicht als Zusatzstoff deklariert werden.

Essigvarianten, Senfsaaten & Gewürzextrakte statt Konservierungsstoffe

Besonders häufig fanden die Verbraucherzentralen das Clean Label „Ohne Konservierungsstoffe“, die sich sonst hinter den 200er E-Nummern verbergen. Damit diese nicht mehr auf der Zutatenliste erscheinen, verwendet die Lebensmittelindustrie stattdessen unterschiedliche Essigvarianten, Senfsaaten sowie Kräuter- und Gewürzextrakte. Der säuerliche Geschmack dieser alternativen Zutaten wird dann durch Zucker abgemildert.

Health Claims - Gesundheitsversprechen

Künstliche Vitamine und Mineralstoffe sind günstig und werden gern Fertigprodukten zugesetzt, um sie aufzupeppen und als wertvollen Beitrag zur gesunden Ernährung bewerben zu können. Fertiggerichte mit wenig Nährwert sowie Zuckerbomben wie Getränke und Süßigkeiten bekommen so einen gesunden Heiligenschein aufgesetzt. Um uns zum Kaufen zu verleiten, verwendet die Lebensmittelindustrie gern Begriffe wie „Wellness“, „Fitness“, „proteinreich“, „kalorienarm“, „reich an Vitamin C“ oder „Ballaststoffquelle“.

Den Wildwuchs an gesundheitsbezogenen Werbeslogans auf den Lebensmittelverpackungen will die Health-Claims-Verordnung eindämmen. Sie legt Mindest- und Höchstwerte für die zugesetzten Nährstoffe fest und gibt Richtlinien vor, welche gesundheitsbezogenen Angaben zulässig sind und welche nicht.

So dürfen die Hersteller beispielsweise nicht mehr Slogans verwenden wie „Calcium stärkt die Knochen“ oder „Produkt XY sorgt für tolle Haut und feste Fingernägel“. Stattdessen dürfen nur neutrale, wissenschaftlich fundierte Aussagen über die Wirksamkeit bestimmter Nährstoffe getroffen werden. Ein Beispiel: „Calcium trägt zum Erhalt normaler Knochen bei“ oder „Biotin wird für den Erhalt normaler Haut und Haare benötigt“.

Für eine gesunde Ernährung leisten diese Fertiglebensmittel ohnehin keinen sinnvollen Beitrag.

1. Wir nehmen über die normale Ernährung ausreichend Nährstoffe zu uns, sodass wir auf Nahrungsergänzungsmittel und auf die zugesetzten Nährstoffe in Lebensmitteln nicht angewiesen sind.

2. Die zugesetzten Vitamine und Mineralstoffe tragen allenfalls zum Erhalt der normalen Körperfunktion bei. Das bedeutet: Sie verhindern weder Krankheiten, noch machen sie uns schlanker, schlauer oder stärker. 

3. Da mittlerweile zahlreiche Fertiglebensmittel mit Vitaminen und Mineralstoffen zugesetzt werden, kann es gerade bei gesundheitsbewussten Verbrauchern zu einer Überversorgung kommen.

Gesundgerechnete Zuckerbomben & geschönte Nährwertangaben

Die Lebensmittelhersteller sind dazu verpflichtet, die Nährwerte für ihre Produkte anzugeben. Um hohe Zucker- und Fettgehalte zu verschleiern, legen sie ihren Berechnungen unrealistische Mini-Portionen zugrunde. Erst beim genauen Hinschauen erweist sich so manches Fitness-Müsli als wahre Zuckerbombe.

Empfiehlt ein Hersteller beispielsweise 30 Gramm als eine Müsli-Portion, so sehen 8,7 Gramm Zucker sehr wenig aus. Nur werden sich die wenigsten mit einer so kleinen Portion zufrieden geben und mehr essen. Somit nehmen sie deutlich mehr Zucker zu sich, als die Portionsangabe des Herstellers suggeriert.

Zu den Pflichtangaben bei den Nährwerten gehören Brennwert/Energiegehalt, Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz. Weiterhin dürfen ergänzend folgende Inhaltsstoffe aufgeführt werden: einfach ungesättigte Fettsäuren, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Stärke, Ballaststoffe sowie Vitamine und Mineralstoffe. Letztere müssen sogar gekennzeichnet werden, wenn mit ihnen ein Gesundheitsversprechen verbunden ist. Die Mindestmenge beträgt hierbei 15 Prozent der Tagesdosis-Empfehlung in 100 Gramm bzw. 100 Milliliter des Produkts. Da es jedoch keine einheitlichen Werte für die empfohlenen Tagesdosen an Vitaminen und Mineralstoffen gibt, können die Hersteller auch hier tricksen und niedrige Richtwerte auswählen.

Wo „regional“ draufsteht, steckt nicht immer „regional“ drin

Gesetzlich nicht geschützte Bezeichnungen wie „aus der Region“ oder „unser Norden“ vermitteln einem das gute Gewissen, mit dem Kauf dieses Produkts unterstütze ich Nachhaltigkeit und erhalte Arbeitsplätze in meiner Region. Jedoch lassen einige Lebensmittelhersteller ihre Produkte woanders produzieren oder kaufen die Rohstoffe aus anderen Ländern dazu.

Woher z.B. Milchprodukte stammen, erkennen Verbraucher leicht an dem ovalen Identitätskennzeichen. In diesem sind der Wirtschafsraum der Europäischen Union, das EU-Land sowie das Bundesland vermerkt, plus die Zulassungsnummer des verarbeitenden Betriebs.

Frisches Fleisch unter „Schutzatmosphäre“

"Unter Schutzatmosphäre verpackt“ – das klingt hygienisch und gesund. Mit einem Gasgemisch aus Kohlendioxid, Stickstoff und Sauerstoff sorgt die Lebensmittelindustrie dafür, dass das Fleisch viele Tage rosig-rot aussieht und verkauft so qualitativ schlechteres Fleisch als frisches Fleisch. Wer sich schon immer gefragt hat, warum z.B. Hackfleisch außen rot und innen ranzig-braun ist, weiß jetzt warum. 

Statt abgepackte Fleischprodukte zu kaufen, lohnt sich also der Umweg zum Fleischer in der Nachbarschaft. Dort könnt ihr die Qualität der Ware besser in Augenschein nehmen und spart zugleich jede Menge Verpackungsmüll.

Light-Produkte sind schlecht für die Figur

Nachdem in den 1980-er Jahren Fett pauschal als Dick- und Krankmacher verurteilt wurde, entwickelte die Lebensmittelindustrie sogenannte Light-Produkte mit geringerem Fettgehalt. Da Fett jedoch ein Geschmacksträger ist, müssen die Light-Produkte mit Hilfe von Zucker, Salz und Geschmacksverstärkern erst wieder schmackhaft gemacht werden. Denn um einen geringeren Fettgehalt zu erzielen, reduzieren die Hersteller oftmals nur die Menge des wertigen Rohstoffs.

Eine Light-Mayonnaise enthält also nur deswegen weniger Fett, weil sich im Glas weniger Mayonnaise befindet als üblich. Um dennoch auf das gewohnte Füllgewicht zu kommen, wurde die Light-Mayonnaise einfach mit Wasser gestreckt.

Ähnlich verhält es sich mit dem fettreduzierten Hackfleisch aus den Discounter-Märkten. Denn die „30 Prozent weniger Fett“ kommen dadurch zustande, dass 30 Prozent des Fleisches durch eine Mischung aus Wasser, Mehl und Weizeneiweiß ersetzt wurden. Eine solche „Hackfleischzubereitung“ wird deswegen auch gern mit dem Zusatz „Enthält pflanzliches Eiweiß“ beworben. Paprikaextrakt und Rote-Beete-Saft sorgen dann für die fleischige Farbe.

Fazit: Light-Produkte enthalten weniger von den (teuren) wertigen Rohstoffen, dafür mehr von den (günstigen) Geschmacksverstärkern und anderen Zusatzstoffen. Sie sind somit qualitativ minderwertiger, kosten teilweise aber mehr, wenn die Hersteller sie mit einem zusätzlichen Gesundheitsversprechen verkaufen.

Alkohol muss nicht immer deklariert werden

Alkohol kann auf natürliche Weise durch Gärung in Produkten vorkommen (z.B. im Sauerkraut, in Säften oder Kafir) oder er wird ihnen künstlich zugeführt. Gesetzlich gilt die Regel, dass Alkohol in verpackten Lebensmitteln angegeben werden muss, nicht aber der in lose verkauften Waren, wie z.B. in Kuchen, Torten und Pralinen beim Konditor oder in den Desserts und Saucen eines Restaurants.

Auch wenn der Alkohol nur als Trägerstoff und in für die Gesundheit unbedenklichen Mengen zum Einsatz kommt, muss er nicht auf der Zutatenliste angegeben werden. Ein bekanntes Beispiel dafür war Ferreros Milchschnitte, bis der Konzern auf öffentlichen Druck hin eine alkoholfreie Rezeptur entwickelte.

Tipps für den Lebensmittel-Einkauf

1. Macht euch einen Essensplan für die kommende Woche.

2. Schaut vor der Planung oder vor dem Einkaufen, welche Lebensmittel ihr im Kühlschrank und in der Speisekammer noch vorrätig habt.

3. Geht nur mit Einkaufszettel shoppen, dann kauft ihr nicht zu viel. 

4. Wer die kleine Schrift auf den Verpackungen nicht lesen kann, der hat am besten immer eine Lesebrille mit dabei.

5. Frische Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fleisch und Milchprodukte kauft ihr – wenn möglich – erst an dem Tag, an dem ihr sie verarbeiten und essen wollt.

6. Ihr habt an manchen Abenden in der Woche einfach keine Zeit zum Kochen oder Salat schnippeln? Dann kocht am Wochenende etwas mehr und friert den Rest ein. Wenn ihr es dann unter der Woche essen wollt, stellt ihr es morgens zum Auftauen in den Kühlschrank und könnt es euch dann abends schnell warm machen. Dann könnt ihr euch die schnelle Tütensuppe sparen!

Bildnachweis:
Familie beim Einkauf © Sergey Ryzhov - Fotolia.com
Verkäufer hilft Frau © Robert Kneschke - Fotolia.com
Frau im Supermarkt © Robert Kneschke - Fotolia.com
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